Buch: Unter dem Schleier die Freiheit

Dass ausgerechnet der Islam etwas zu einem emanzipierten Frauenbild beitragen kann, scheint mehr als abwegig. Gilt doch gerade er als einer der letzten Bastionen der Unterdrückung und Entwürdigung von Frauen. Khola Maryam Hübsch wehrt sich gegen diese in ihren Augen falsche und verkürzte Sicht auf den Islam. Klug hält sie unserer Gesellschaft einen Spiegel vor: Wie frei und gleichberechtigt sind Frauen in unserer sexualisierten Gesellschaft wirklich? Kann das Tragen eines Kopftuches - wenn es freiwillig geschieht - nicht gerade ein Zeichen für weibliche Emanzipation und Freiheit sein? Und könnte sich ein modernes islamisches Frauenbild nicht auch positiv auf das Verhältnis der Geschlechter und das Gelingen von Partnerschaften auswirken? Ein scharfsinniges und streitbares Buch, das gängige Klischees infrage stellt und neue Perspektiven auf den Islam eröffnet.

Patmos Verlag
ISBN 978-3843604734

 

Leseprobe

"Doch was passiert, wenn der Mensch sich nicht mehr als Wesen mit spiritueller Dimension und metaphysischer Tiefe begreift? Was passiert, wenn das Vollkommenheitsideal einer Kultur sich nicht mehr auf den Geist bezieht? Wenn der Geist nicht mehr für unsterblich gehalten wird? Es kommt zu einer totalen Fixierung auf das, was ist: den Körper. Die Optimierung des eigenen äußeren Erscheinungsbildes auf Teufel komm raus, der Wunsch, sich selbst ästhetisch zu designen und „Spaß“ und Lust über den Körper zu erzielen, zeigen, dass der Mensch alles versucht, sich vordergründig auf der körperlichen Ebene zu „vervollkommnen“. Wenn es kein Jenseits mehr gibt, dann muss das Optimum im Diesseits erreicht werden. Glück hängt dann in erster Linie vom diesseitigen Körper, vom hier und jetzt ab und muss schnell erreicht werden können. Es bleibt ein krampfhafter Versuch, ein Stückchen unsterblich zu werden, seine Sterblichkeit zu reduzieren, indem man sein Leben zu intensivieren glaubt. Es ist die Angst des Menschen vor dem Tod, die ihn dazu antreibt, das kurze und vergängliche Leben so eindringlich wie möglich auskosten zu wollen und die ihn damit zu einem Spielball seiner Triebe, zum Sklaven seines Körpers auf der Suche nach Glück macht."